~Andere Zeit andere Tiere ~ Japan, in Ueno mal ganz anders~

Dienstag, der 3. März

.Oo°~°o ~tschilp~ O.。o. .Oo°~pieps~°oO.。o. .Oo°~°oO.。o.PLOPP!

CUT!!!!!

Aus mit dem Frühlingstraum – nix mit schönem Wetter! Den Wetterberichten zufolge geht es wohl nochmal eine ganze Weile rückwärts was unser Wetter hier in Tōkyō betrifft. Mindestens eine Woche kein Sonnenschein und Schnee – und wenn kein Schnee, dann Regen - und wenn kein Regen, dann Niesel – und wenn kein Niesel, dann bleibt hier immer noch die kalte Zugluft übrig…ob vom Meer oder von der U-Bahn, wenn man mal wieder am Gleis herum steht…

Mein Regenschirm wird mir ein Treuer Begleiter sein – der hippe Schirm ist wohl zu sehr über sich hinausgewachsen und hat sich einfach verflüchtigt… zum Glück ist da noch mein weniger hipper aber dafür auch weniger eingebildeter Schirm, der mir trotz meines Seitensprunges an diesen Tagen wahre Treue erwiesen hat. 

Heute ging es nach Oberfeld…

Scherz! Ich werde jetzt nicht anfangen die Namen der Stadtteile von Tōkyō zu übersetzen! Obwohl es erstaunlich ist, dass man anhand der ganzen Namen erkennt, dass es gar nicht so lange Herr ist, als die Gegend hier noch nicht so eng, mit Gebäuden vollgestopft und ihr Boden noch nicht nahezu vollständig, mit Ausnahme einiger Gelbflächen (Shu: „Das ist kein Rasen, das ist Heu!“) mit Beton versiegelt war. Auch die häufigen Personennamen verraten viel über ihre ursprüngliche Herkunft, von der Zeit, bevor die Japaner begannen in die Städte abzuwandern und die industriellen Ballungszentren an der Küste ins Leben riefen: Nakamura - Mitteldorf, Ishida – Steinfeld, Yamada - Bergfeld, Tanaka - Feldmitte, Ogawa - kleiner Fluss, u.vm…

Zurück zum Thema: Ueno. (上野 - besteht aus den Zeichen für "oben" und "Feld") Das ist ein Viertel, welches mit der Yamanote-sen, der sogenannten Ringbahn von Tōkyō, zu erreichen ist und von unserer Unterkunft und unserem Anfahrtsbahnhof in Shibuya gesehen genau auf der gegenüberliegenden Seite des Tokyoter Zentrums liegt. Was es da zu sehen gibt? Für uns ein Markt inkl. Fischmarkt, einen Teil vom Ueno-Park, das Shitamachi-Museum und das National Museum Tōkyō.

Die Leute auf den Märkten sind wirklich sehr gesellige Menschen. Natürlich wollen sie ihre Waren verkaufen...aber ulkig grinsen tun sie trotzdem, wenn da so ein Trupp Ausländer vorbeiirrt. Vor allem wenn Shu einen für Japaner alltäglichen Anblick mit "IIIIIIIIIIIIEH!" kommentiert. Riesige Oktopustentakeln sind halt nicht Jedermans Sache...oO''

Wo wir grad dabei sind - das Essen sollte ich auch noch fix nennen – eine absolut reichliche Mahlzeit bestehend aus einer Schüssel Udon in Suppe und einer Schüssel paniertem Hühnchenfleisch mit Curry auf Reis für unschlagbare 590 Yen! Ich habe lange nicht mehr so gewissensfrei gegessen. Es handelte sich um eine Art „Restaurant“-Kette (Namen vergessen...), man muss die gesegneten Örtchen nur finden, dann spart man eine Stange Geld und fühlt sich gleich zehntausend Mal besser. Und Japanisch muss man dort auch nicht wirklich sprechen können. Am Automaten schaut man sich die Preise und die Bildchen an und kauft sich eine Essensmarke, die man dem Koch drinnen in die Hand drückt. Anschließend kriegt man das Essen gebracht – funktioniert auch ohne Worte. Es war übrigens nicht nur mein gutes Gewissen, was das Essen so gut schmecken ließ – es hat einfach gut geschmeckt!

Soviel zum Essen. Unser Verdauungsspaziergang beschränkte sich auf den Außenbereich des Ueno-Parks. Dabei entdeckten wir einen kleinen wunderschönen Schrein. Wir genossen die anfängliche Trockenheit des Tages und freuten uns über die Pflaumenblüten. 

Zurück im Park stolperten förmlich über die dort vorkommende Tierwelt. Überall saßen Katzen zusammengekugelt in der Gegend herum, denen es selbst egal war, wenn sie von einem Erik Löcher in das Fell hinein gepieckst bekamen. In jener Gegend sah ich neben herumirrenden Tauben die erste waschechte japanische Möwe – keine doofen fruchteinflößenden Greifvögel, die den Himmel übersähen. Sie war weiß, rund und puschelig, saß allein auf einem Geländer und guckte bedrobst in der Gegend herum.

Vielleicht veranstalten Möwen und Falken so ne Art „Heimtausch“ – Möwen tauschen ihr Leben am von ihnen und ihren Kumpanen überbevölkerten Meer gegen ein einsameres Leben an einem Tümpel in Ueno aus. Ist auch mal eine Art Urlaub – das sollte man einführen, dann würden lediglich die Flugkosten anfallen.

Im nahe gelegenen Shitamachi-Museum erfuhren wir leider nicht, ob es hier früher auch Möwen gegeben hatte. Aber Menschen hat es natürlich gegeben und diese haben noch lange Zeit bis ins 20 Jahrhundert hinein recht einfach gelebt. Wieder einmal handelte es sich um ein Museum, welches nicht nur Artefakte sondern auch ganze Häuser zur Schau stellte. Die Häuser schienen diesmal aber nicht in das Museum hinein, sondern das Museum drum herum gebaut worden zu sein. Die Menschen in Shitamachi lebten früher in sehr kleinen Häuserchen. Da es um die 6 aneinander gepresste Mini-Hüttchen zu sehen gab, war das Museum auch sehr klein – der Eintritt betrug dementsprechend nur 300 Yen. Und trotzdem konnte ich diesem Museum erstaunlicherweise mehr abgewinnen als dem Nationalmuseum…auch wenn mich dort wiederum die vielen alten u.a. buddhistischen Skulpturen beeindruckt haben, so haben mir die Alltags- und Gebrauchsgegenstände und die original nachgestellten Behausungen viel mehr gesagt als irgendwelche wertvollen Gegenstände von irgendwelchen Persönlichkeiten oder Vertretern irgendeines Handwerks (was natürlich nicht alles kannte). Man durfte die Räume auch betreten, natürlich nur nachdem man die Schuhe ausgezogen hat. Im Prinzip ist das gesamte Shitamachi-Museum zum Anfassen gedacht: angefangen von den original möbelierten Räumen, natürlich mit Fußböden aus Tatamimatten, über „Badewannen“ (nach Gulaschtopf Prinzip: unter einem großen Kessel als Behältnis das Wasser und den zu dünstenden Japaner wird ein Feuer gelegt. Damit sich der Japaner nicht die Füße verbrennt, steht er im Kessel auf einer Art Holzrost) bis hin zu einfachem aber pädagogisch wertvollem Kinderspielzeug.

Auch das Nationalmuseum hatte etwas zu bieten, was Beschäftigungstherapien angeht, als Ausklang für den Tag: Papierkimonos zum selber mit Mustern bestempeln. Ein konzentriertes Schweigen breitete sich am Rundtisch aus, an dem sich alle ihren verschiedenfarbigen Stempelchen widmeten. Hab mich ein bisschen in den Kindergarten zurückversetzt gefühlt. ^^

・°.o。.Oo°~ Und Schwapp ~ Eine Welle von Vorfreude auf den Frühling 2~°oO.。o.° ・

Montag, der 2. März 

°oO.。~schnarch~o.° ・°.~...plopp!~o。.Oo°~°oO.。o.° ・

Den nächsten Tag gab es Pan-Cakes zum Frühstück. Narumis Familie lebte vor langer Zeit mal für 2 Jahre in Amerika, daher bekamen wir mal nix traditionelles zum Frühstück. Als Dankeschön schenkten wir der Gastmutter drei Duploriegel, was dazu führte, dass die Gute zusammen mit dem aufgedrehten Hund (der Hund hat sofort gemerkt, dass sich Herrchen freute) in der Küche herumtanzte. xD Wirklich niedlich, die beiden! 

°oO.。~chiiiiizu~o.° ・°.o。~spaghetti~.Oo°~°oO.。o.° ・

Noch ein kleines Abschiedsfoto und ab in die Innenstadt von Yokohama, wo wir uns mit Keishiro trafen um ein paar Bowling-Kugeln über die Bahn zu schieben und anschließend noch ein wenig Geld für selbstklebende Erinnerungen auszugeben – Purikura! – nachdem wir Keishiro dazu überredet hatten mit in den Automaten zu kommen. (Immerhin dürfen da wohl Männer nur in weiblicher Begleitung rein, in Japan ist anscheinend alles andersherum, sogar die Diskriminierung). Zu viert war es wesentlich einfacher ein Lokal zum Essen zu finden. Nach einer weiteren Portion Oden – weil‘s so schön war – fuhren wir dann nach Hause.

°oO.~gatan~。o.° ・°.o~goton~。.Oo°~°oO.。o.° ・

Was hat das Ganze nun mit dem Frühling zutun? Ganz einfach, es hat heut nicht geregnet! ^^ Die Sonne schien und man brauchte keinen Schal. Die Leute wirkten auch nicht mehr so trübsinnig – vielleicht lag das aber auch an der Kleinstadtidylle Yokohamas (so groß wie Berlin). Während die Leute in Tōkyō mit Berufstress geplagt sind, fühlen sich die Leute in Yokohama zu Hause. Ob es das Schritttempo, die Anzahl der Falten im Gesicht oder der Lärmunterschied war, kann ich nicht sagen, aber irgendetwas lag heute in der Luft ~°o°O.。o.°

°oO.。~tschilp~o.° ・°.~piep~ o。.Oo°~°oO.。o.° ・

°O.。o.° ・°.~quaaaaack!~o。Oo°~.。o.° ・

°oO.。o.° ・°.o。~

・°.o。.Oo°~ Und Schwapp ~ Eine Welle von Vorfreude auf den Frühling 1~°oO.。o.° ・

Sonntag, der 1. März

Fast hätte ich verpennt, dass der Februar vorbei ist. Diesmal hielt der lang ersehnte März überraschend plötzlich Einzug in Namis kleine Welt ~°oO.°o.* 

Als ich am Wohnheimausgang realisierte, dass wir den besagten 1. März haben, da sprintete ich nochmal fix in mein Zimmer um mich für den Tag entsprechend einzudecken – aber was mich genau erwartete, dazu komme ich später…

°oO.。~pon~o.° ・°.~klong~o。.Oo°~tsching~°oO.。o.° ・

Zunächst war wieder ein Tagesausflug an der Reihe. Unser heutiger Pilgerort war Asakusa. Dort steht ein riesig großer, berühmter buddhistische Tempel, der Sensō-ji. Das Gelände bestehend aus dem großen Tempelgebäude, einer Pagode und einer Menge weiterer Häuser solchen Baustils schien so riesig und verwinkelt, dass man sich glatt drin verlaufen könnte. Hinzu kommen die zahlreichen Souvenir-, Krimskrams- und Essens-Stände und nicht zu vergessen die Menschen. Auch, wenn es nicht sehr voll war, so wurde man ständig aus allen Richtungen angerempelt, weil alles und jeder kreuz und quer lief. Wer will da noch Souvenirs kaufen? Dann blieb mein Geldbeutel wenigstens ein Weilchen verschont – aber kaum war Mittag an der Reihe, da musste er dran glauben! ^^ Für die Investition in eine weitere Erfahrung hinsichtlich Japansicher Spezialitäten: Monja und Okonomiyaki. Beides eine Art Omlett. Man sitzt zu viert an einem tiefen Tisch mit einer großen Bratfläche, wählt sich die Zutaten selbst aus (erinnert ein bisschen an Raclette) um sie anschließend auf eine bestimmte Art und Weise zu braten und zusammen zu rühren. Unser Japanischlehrer, Herr Kiyonaga, hatte zu uns in Deutschland noch gemeint, Monja (die Tokyoter Variante von Okonomiyaki) wäre leckerer als das Osakaer Okonomiyaki. Leider kann ich selbst darüber keine Aussage treffen, weil ich einfach alles total lecker fand! ^^ 

°oO.。~schmacko~o.° ・°.o。.O~fatzl~°oO.。o.° ・

Nach diesem Festmahl durchquerten wir die „Orenji-dori“ (Orangen-Straße) auf dem Weg zum Water-bus – zu Deutsch: eine kleine Fähre. Wir erhielten von der Touristenführerin, soweit es unsere Sprachkenntnisse erlaubten, einen kleinen Überblick über sämtliche Arten von Brücken, unter denen wir durchfuhren: gelbe, blaue, rote, grüne, normalfarbige, komische Brücken…Autobahnbrücken…und vieles mehr. Wenn mal nicht unter einer Brücke durchfuhr, konnte man wunderbare Bilder vom Tōkyō-Tower (auf dem wir immer noch nicht waren), der„Rainbow Bridge“ (über die wie am Odaiba-Tag schon gefahren waren), die Tokyoter „Twintowers“, eine Sumo-Halle und seltsame Werbeplakate. Anschließend strandeten wir am Garten des Tokugawa Ileyasu wo wir feststellten, dass japanische Vögel daran erkennbar sind, dass sie hysterisch in der Gegend herum quäcken und quietschen – wirklich! Ich habe die ganze Zeit hier noch kein einziges angenehmes Vogelzwitschern vernommen, mit Ausnahme der Vogelgeräusche, welche mithilfe einiger Bahnhoflautsprecher und an Ampeln (keine Ahnung, ob das Gepfeife ein Vogelgeräusch sein soll) vorgegaukelt werden.

Bild links: ein kleines Rapsfeld mitten in Tokyo. Der Rest des Gartens war nicht so bunt. Ein typisch japanischer, schlicht gehaltener Garten eben.

Bild rechts: Mt. Hinoguchi, eine beeindruckende Größe!


Da ich zu diesem Zeitpunkt bereits mein Tagesbudge weit überschritten hatte, musste ich mich wider aller Überredungsversuche von Shu zusammenreißen, keine weiteren 500 Yen für eine Teezeremonie auszugeben. Ich wusste, dass ich es bereuen werde…

°oO.。~tschilp~ o.° ・°.o ~ piep ~ 。.Oo°~

Was war so besonders am 1. März?

Ich verbrachte meinen ersten März-Abend in diesem Jahr zusammen mit Shu in Yokohama, wohlbehütet bei einer japanischen Familie. Narumi hatte uns netterweise angeboten bei ihrer Familie für eine Nacht ein „homestay“ zu machen. Sie hat eine Familie wie aus dem Bilderbuch, mit Mutter, Vater und kleinem Bruder, inklusive einem Hund – ein schwarzer Labrador, der kaum einen Mucks von sich gibt, keiner Fliege was zu Leide tun kann und die ganze Zeit total lieb in der Gegend herum guckt. 

Was erwartet einen nun besonderes, wenn man in das Alltagsleben einer Familie reinschnuppert?

 °oO.。o.° ・~°.o。Leckeres Abendbrot!~°oO.。o.° ・O.°~

Zur Vorspeise Yaki-Soba, als Hauptgericht Oden, das ist Japanischer Eintopf mit je nach Art unterschiedlichen Zutaten. Ich entdeckte zwei verschiedene Arten von Kartoffeln, Ei, Hühnerfleisch, eine Art Wurzel und irgendein Lauch-kohlartiges Gemüse. Dazu gab es natürlich Reis. Die Soba wurden auf einem riesigen Bratherd mitten auf dem Tisch gebraten. Der große Oden-Topf wurde anschließend ebenfalls mitten auf dem Tisch platziert. Dann bediente sich jeder und packte sich was in seine Mini-Schüssel/auf seinen Mini-Teller. Dazu gab es Asahi-Bier. ^^ Als wenn der Bauch nicht schon ippai genug wäre, bekam jeder noch ein Magnum-artiges Eis zum Nachtisch.

Bild links: Narumi fasziniert Nami mit dem Inhalt des Oden-Eintopfes

…genug Essen! – dachte man sich, aber beim Homestay kommt man nicht drumherum mit Essen überhäuft zu werden, das ist ein ungeschriebenes Gesetz. 

 °oO.。o~blubb~.° ・°.o。.Oo°.~ o-furo ~° o O.。~blubb~o.° ・

Neben unserer abendlichen Beschäftigung mit den Wii-Spielen von Ak-kun (Narumis 11-jährigem Brüderchen) hatte jeder einmal das Vergnügen ein o-furo zu nehmen, ein traditionell Japanisches Bad. Das läuft folgendermaßen ab: Man schlüpft ohne alles in die Nasszelle mit der Badewanne. Dort seift man sich außerhalb der Badewanne ein und spült sich mit einer Schüssel voll Wasser die Seife vom Körper. Dann spült man noch fix den Boden mit dem Duschkopf wieder sauber und erst jetzt steigt man in die beheizte Badewanne mit dem 41°C heißen Wasser. Jetzt ist Entspannung angesagt. =o= Das Wasser in der Badewanne wird von allen benutzt, da man ja bereits gewaschen hineinsteigt.

Bild rechts oben: wie man sieht hatten wir Spaß udn wurden auch mit Knabberkram eingedeckt ^^

 °oO.。o.zzZZzZZ° ・°.o。Futon ga futonda!*~.Oo°zzzZZzO.。o.° ・

Wir schliefen in einem Futon. „in“ deshalb, weil sowohl die unterliegende Matratze, als auch die Decke ein Futon ist (die Begriffe dafür hab ich mir leider nicht merken können). Das besondere am Futon ist, dass er zusammengefaltet und im Schrank verstaut werden kann. Das spart eine Menge Platz im engen Yokohama. Im Prinzip liegt man recht hart, sodass einem der Hintern durchaus einschlafen kann, wenn man auf dem Rücken liegt. Davon hab ich aber mix gemerkt. Ich fühlte mich am nächsten Morgen wie frisch aus dem Ei geschlüpft! Warum haben die hier in Japan alle so kuschelige, warme Bettdecken?! Ich will auch!

*banaler japanischer Spruch: „Der Futon flog weg"

°oO.。o~tick~.°.o。Fortsetzung folgt .Oo°~tack~°oO.。o.° ・

Nami erklärt Japan ~ Teil 3

2. Tabemono – Was essen Japaner?

Sushi? Ich habe seit ich hier bin nicht einmal wirklich Sushi gegessen, wenn man den Flug mal ausnimmt. Da gab es lediglich drei kleine Maki-Röllchen und ein Nigiri-Sushi (Reisbällchen). Selbst für Japaner ist Sushi ziemlich teuer, wenn es sich nicht um Kaiten-Sushi (Sushi vom Laufband) handelt.

Daher hier ein umfangreicher Überblick, mit umfangreich viel Text und leider viel zu wenig Bildern zum umfangreichen Aufgebot an traditionell-japansichen Essen.

Was für Europäer wohl am wenigsten Gewöhnung bedarf, sind japanische Nudelgerichte. Die wichtigste Rolle spielen hier Udon- und Soba-Nudeln. Udonnudeln erkennt man daran, dass sie etwas dicker sind, nicht so dünn wie andere Asiatische Nudeln.

Bild links: Udon mit Süppchen (befindet sich links in dem kleinen Becher mit dem Deckel und den Zwiebeln drauf), das grüne da ist Nori (Algen)

Bild rechts: Soba

Dann gibt es noch verschiedene Zubereitungsarten. Ob normal gekocht, gebraten ("Yaki-…") oder in Suppe serviert. Sehr lecker sind zum Bleistift Yaki-Udon. Die berühmten Suppennudeln, genannt Ramen, kann man sowohl in speziellen Bars aber auch zuhauf als Fertiggerichte im kombini oder Supermarkt kaufen (ähnlich den Minuten-Terinen, aber in größeren Portionen). Natürlich sind sie in Bars teurer, dort ist ihr Geschmack aber auch nicht zu toppen. Wenn man nun mal schnell eine warme Mahlzeit braucht, rennt man fix auf dem Heimweg in einen solchen Kombini. Man bezahlt 99 Yen für einen großen Becher.

Natürlich isst man hier viel Fisch! Fischfleisch soll angeblich weniger für das Wachstum notwendige Eiweiße enthalten als anderes Fleisch. Vielleicht sind Japaner deshalb so klein… oO Recht beliebt sind Lachs (Sake), Tunfisch (Tekka) und Aal (Unagi). Man stolpert auch oft über das Wort „Tako“ – Oktopus. Auch in verschiedenen Zubereitungen zu finden. Roh in Sushi oder auch als Takoyaki – Oktopus zu Brei verarbeitet, in Pflaumen-große Kügelchen geformt und frittiert. Dann gibt es auch noch kane – Krebs. Heut gab's bei mir Kanetama (Krebseier) mit Reis und verschiedenem Gemüse aus dem Supermarkt. Schmeckte einfach nur nach Fisch und hatte die Konsistenz von Hühnerfrikassee. Ich fands sehr lecker und satt hat‘s mich auch gemacht. ^^

Auch dass hier das ganze Fleisch roh ist, ist ein Gerücht! Es gibt eine Menge Fisch- und Fleischgerichte, bei denen man die Bratpfanne oder den Kochtopf zur Hand nimmt. (Das Kanitama-zeugs war übrigens auch warm) Alles habe ich noch nicht probieren können aber bis jetzt ist mir auch noch nichts Ungenießbares zwischen die Finger gekommen. Empfehlen kann ich in jedem Falle schon einmal Yakitori, gebratenes Hühnchen. Dazu gibt es oft die spezielle süße Yakitori-Soße. Wirklich absolut lecker – kann man gar nicht genug von kriegen! Außerdem wäre da noch Om-reis. Für mich hier schon absoluter Kult. Das ist Reis mit Ei, wobei das Ei geradeso durch ist, ganz weich und mild. Natürlich gibt es hier noch ne Menge Variationen, mit Käse, Curry, Fleischeinlage usw. Om-reis wird übrigens auch oft mit Ketchup drauf gegessen. Wo wir gerade bei Curry sind – Japanisches Curry (Karee) ist hier einfach nicht wegzudenken! Lässt sich schwer beschreiben…wenn man nicht weiß, was man essen soll – Curry geht immer!

Suppen dürfen in der Japanischen Küche auch nicht fehlen. Grundlage bildet oft Miso-Suppe. Des Weiteren spielen Gemüse (Frühlingszwiebeln, rote Bohnen, süße Gurken, Möhren, Lauch, Kohl, Lotuswurzeln, Süßkartoffeln), Pilze und verschiedene Früchte wie Kürbisse und Ei eine tragende Rolle. 

Spezialitäten, die ich unbedingt noch probieren möchte: Tempura, Okonomiyaki (hatte ich ja im Prinzip schon in Deutschland probiert, als wir mit Yuka und Mariko kochten, ich will aber unbedingt mal in einen solchen Laden gehen, mir das Zeug zusammenrühren und mich selber an so ne Herdplatte setzen) und natürlich Natto! – sowas ist man oft zum Frühstück. Das soll seltsam riechen, seltsam aussehen und für 50% der Japaner seltsam bis ungenießbar schmecken…ich bin gespannt!

Wenn man in Japan übrigens richtig traditionell essen gehen will, dann wird man wohl in einer der kleinen privaten Minilokale landen. Oft sitzt man dann an der Bar direkt vor dem Koch, der einem das Essen vor der Nase zubereitet. In solcher Gesellschaft schmeckt das Essen gleich dreimal besser. Und auch die Japaner freuen sich natürlich einen Keks, wenn einem das Essen schmeckt.^^

Bild links oben: klein aber fein, unser Yakitori-Laden in Hiyoshi


Wie geht man beim Essen vor? 

Warum ich das Anspreche? – nein, man ist nicht nur mit Stäbchen. Es gibt natürlich eine Menge Regeln für das Stäbchenessen, von der Art sie zu halten, über die Tatsache, dass man mit Stäbchen nicht rumfuchtelt bis hin zu der Art und Weise, wie sie nach dem Essen in die Papierhülle wieder hineingeschoben werden und das Ende der Hülle zur Seite geknickt wird. Neben diesen Unmengen an Stäbchenregeln gibt es dann noch weitere Regeln, auf welche Art und Weise verschiedene Mahlzeiten eingenommen werden. 

Als erstes schnappt man sich das feuchte Tuch, was an jedem Platz liegt (kann auch aus Zellstoff und eingepackt sein) und macht sich damit die Hände sauber. Das Tuch wird wieder etwas ansehnlicher zusammengefaltet und weggelegt.

Oft ist es so, dass man das Essen verteilt in verschiedenen Gefäßen serviert bekommt (siehe Bild)– hier ein Beispiel: eine Schüssel mit dem Reis und evtl. was oben drauf (Ei, Huhn, …), eine kleinere Schüssel mit Miso-Suppe, ein Minitellerchen mit Zwiebeln und Wasabi, mehrere weitere Tellerchen mit Miniportiönchen von verschiedenem Gemüse, Tofu, Lotuswurzeln, Süßkartoffeln – alles mögliche eben. Die Zwiebeln und EIN TEIL des Wasabi (Das ist Meerrettich, SCHARF! Hier ist Millimeterarbeit geboten! Zur Wiedererkennung: hell- bis giftgrüne Paste) werden zu Beginn der Mahlzeit in die Miso-Suppe getan. Normalerweise schnappt man sich das Essen einzeln aus den jeweiligen Gefäßen und steckt es sich in den Mund – nicht alles durcheinander rühren! Wenn man besonders höflich sein möchte, dann sollte möglichst alles gleichzeitig fertig aufgegessen sein. Hat man einen Teller Nudeln mit Suppe erhalten, dann kann man sich die Nudeln schnappen und in die Suppe tunken. Auch jegliche Arten von Soßen (z.B. Soja) sind zum dippen gedacht. Generell werden Suppen nicht gelöffelt, sondern direkt aus der Schüssel getrunken. Schlürfen ist auch erlaubt und im Prinzip unumgänglich, da das Essen sehr heiß serviert wird.

Curry wird übrigens generell mit dem Löffel gegessen, da es ja flüssig ist und der Reis seine Klebrigkeit verliert. Da kommt man mit Stäbchen nicht weit. Das gleiche gilt für Om-reis. Dieses omlettartige Eier-Gebilde mit Reis drin lässt sich nur schwer mit Stäbchen bearbeiten. Fleisch wird auch mit Stäbchen gegessen. Wenn das Stück zu groß ist, gilt entweder abbeißen oder mit Stäbchen zerteilen (zusammenquetschen oder hineinpieksen und die Stäbchen auseinanderziehen).

Bei Ramen isst man normalerweise mit Stäbchen und einem speziellen großen Löffel. Man fischt eine Portion Nudeln aus der Suppe, tut sie auf den Löffel, damit man sie Portionieren kann und man nicht im Endeffekt in einem Gang alle Nudeln hintereinander aus der Suppe fischt und sie einem unterwegs durchgängig zwischen Mund und Schüssel herumhängen.

Hier noch einmal eine kleine Vokabelliste wichtiger Begriffe der japanischen Küche:

Nudeln: Soba (dünn), Udon (dick), Ramen (Suppennudeln)
Reis: Gohan als Bezeichnung für zubereiteten Reis (roh: „o-Kome“)

Aus dem Meer: 

Tekka (Thunfisch), Sake (Lachs), Unagi (Aal), Nori (Algen), Kane (Krebs), Kanetama (Krebseier), Tako (Oktopus), Wasabi (grüne Meerrettichpaste xD aus dem Meer natürlich!)

Verschiedene Gerichte:

Om-raisu - „Om-Reis“, Ei-Omlett mit Reis drin
Karee - Curry
Tempura - mit Teig umhüllte, frittierte Speisen
Okonomiyaki - Eine Art Japanisches Omlett, zusammengerührt aus verschiedenen selbstgewählten Zutaten
Takoyaki - frittierte Bällchen aus Oktopusbrei xD
Yakitori - gebratenes Huhn, oft am Spieß
Natto - vergorene Sojabohnen oO

Wenn man nun auf diesen ganzen köstlichen Kram keinen Appetit hat, gibt es noch die Kombinis mit merkwürdiger westlich angehauchter Fertignahrung, z.B. Sandwiches zum Einatmen, da besteht das Brot aus Luft, fluffig und leicht einzuatmen, wie alle Gebäcke hier in Japan. Die "Brot"scheiben haben nicht einmal nen Rand...

~Der Schatz von „Aki-Rabarbera“ ~

Freitag, der 27. Februar…

Es schneite. Mitten in Tōkyō – um genau zu sein in Akihabara (kurz genannt Akiba) sollten sich uns heute ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Nein, es ging uns nicht darum als kleine verkappte Mangafreaks nach Akihabara in das Otaku-Shoppingparadies zu pilgern. Wonach wir suchten, hatte für uns eine noch viel größere Bedeutung. Wir suchten etwas, das war klein, viereckig und zum immer wieder nachschlagen…ein Wörterbuch – kein gewöhnliches Wörterbuch, nein! Ein elektronisches Wörterbuch, welches unsere Handschrift lesen kann. OK, sowas gab es dort überall, danach brauchte man nicht lange suchen. Wir sind aber arme kleine Piraten, welche mit möglichst wenig Investition und großer List ihre bestmögliche Ausbeute machen wollten. 

Unser Kodex: 
„Mitsukeru – kuraberu – negiru“
Unser einziger Hinweis auf den Schatz: ein Artefakt aus altem, bröseligem Papier mit der Aufschrift
„heiliges X bei Apella “
Stimme aus dem Off: Wie albern! U.u‘‘
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Nami: lässt sich nicht von dem Komentar stören
…Mutig leisteten wir dem stürmischen Aquarius mit unseren Ultra-Schildern Widerstand und behielten dabei einen klaren Durchblick (Bild links: Erik in Kampfaussrüstung, ganz schwer bewaffnet...). Hier und da legten wir an geräuschvoll säuselnder Küste mit noch unerforschter Fauna an und verstauten unsere Waffen, als wir uns der Neutralität des Bodens unter unseren Füßen sicher waren. … 
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Stimme aus dem Off: Was geht denn jetzt bei dir ab, bist du heut zu oft hingefallen? Dreimal ausrutschen ist ja schon recht viel… OO‘‘
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Nami: …Wir stießen auf mehrere irreführende Möchtegern-Schätze. Als wir durch das „Wusel Meer“ kreuzten, kaperten wir zwischendurch die „Mister Donut“, vermutlich Gesandte weit entfernter Länder, welche hier in „Aki-Rabarbera“ auf ertragreiches Neuland hofften. Anschließend besprachen wir unsere weiteren Pläne und entwarfen neue Angriffsmechanismen. Schließlich mussten wir Kundschafter entsenden, die sich in den Buchten verteilten um mehrere Erkundungstouren rund um unseren Stützpunkt an der „Aki-Rabarbera-Stationierung“ durchzuführen. Natürlich sorgte ich als Hauptmann dafür, dass jeder zur Orientierung einen Kompass erhielt…
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Stimme aus dem Off: MOSHI MOSHI*?!
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Nami: führt ihre Geschichte weiter fort
 …In einem völlig unerwarteten Moment machte der Trupp um meine Wenigkeit aus einem Hinterhalt heraus die überwältigende Entdeckung: Das heilige „X-Sword“, geschmiedet vom allmächtigen „Casio“, gewahrt in einer kleinen Bucht nahe der „Appello-Höhle“ von einem der Wächter einheimischer Abstammung. Mithilfe des „X-Sword“ werden wir von nun an in abgelegenere Welten vorstoßen und unsere Kenntnisse Japonicas erweitern können.
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Stimme aus dem Off: Ok! Schluss! Aus! Jetzt wollen wir hier mal was klarstellen! >_<
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Nami: An alle, denen diese Story gefallen hat! Nicht weiter lesen! Das zerstört die ganze Stimmung! >.<‘‘
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SadO: zu Nami (wie ungelegen, dieser Name) Du bist schon so ein Rabarber du! Ihr kleinen „Piraten“ seid bis zur Akihabara-Station gefahren und habt nach einem preisgünstigen elektronischen Wörterbuch mit Touchpad zum Kanji-Schreiben gesucht. Natürlich geht man dabei nach dem Prinzip „Finden-Vergleichen-Feilschen“ vor. Dieses Artefakt war ne Seite aus einem Memoblock – es soll einen billigen Laden neben einem Apple/Ipod-Shop geben. „Aquarius“…ts! Ihr hattet halt schlechtes Wetter, Temperaturen um den Gefrierpunkt und Schneeregen. Klar kann man sich davor mithilfe durchsichtiger Regenschirme schützen.
Ihr habt euch zwischen den Menschenmassen am Tumult der Anime- und Manga-Geschäfte vorbeigeschummelt und einige Elektroläden abgeklappert, wo ihr eure Schirmchen eingetütet habt. Unerforschte Fauna...sollen das etwa die Otakus*² sein?! Danach habt ihr bei Mister Donut ein zweites kleines Frühstuck eingenommen, komische Spielchen gespielt und Papierservietten zum Origami-Falten zweck entfremdet. Ihr habt euch in 2 Gruppen aufgeteilt und die Japaner besaßen Handys mit Navigationsfunktion, die haben sie definitiv nicht von dir, du orientierungsloses Ding, du! Ihr fandet den beschrieben Laden zufällig in einer Seitenstraße. Das Ding ist kein Schwert, sonder es heißt „EX-WORD“ vom Hersteller Casio. Es kostete 17.800 Yen, war ein Modell von 2008, englisch, ausrangiert und deshalb recht billig (weitere Modelle: 27.800 Yen, 30.000 Yen – aufwärts) –zusätzlich gab es noch kostenlos Hüllen und eine CD zum Deutsch Draufspielen dazu. Mithilfe dieses Wörterbuches hast du bis jetzt lediglich den Schalter für die Lüftung deines Bads identifizieren können…aber vielleicht setzt du das gute Stück ja irgendwann auch mal für sinnvollere Dinge ein. oO
So…damit hätten wir hoffentlich alles geklärt. …

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Nami: bockig drein guckt. Bla bla bla! 
...Zur Feier unseres Erfolges aßen wir ein Festmahl und sangen Piratenlieder in der Kajüte unter Deck.
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SadO: Den Kopf schüttelt 
Ihr ward in einer Karaoke-Box…ich sag da jetzt nichts mehr dazu. U.u‘‘
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Nami: In jedem Falle haben wir unsere eingefrohrenen Gliedmaßen wieder aufgetaut und mächtig viel Spaß gehabt.^^
*"moshi moshi?!"="Hallo?!" (sagen Japaner auch, wenn sie ans Telefon gehen)
*² otaku = Manga-/Anime-Verrückter, Computerfreak, könnte man als Synonym für Nerd verwenden, sie sind eben anders und in Akihabara zu Hauf unterwegs.

~Grüße aus Europa!~

Donnerstag, der 26. Februar

Auf dem Plan stand diesmal zunächst ein Treffen mit Herrn Oberländer und zwei äußerst freundlichen Japanisch Lehrerinnen am Mita-Campus der Keio Universität (Bild links). Zum Glück sind wir hier Austauschstudenten in Japan und nicht sonst wo – sonst würden wir nicht immer und überall auffallen wie bunte Hunde und die gute Frau vom Spracheninstitut hätte uns auch nicht entdeckt, wie wir da so orientierungslos zwischen den Häusern rund um den Campus herum wuselten als wir nach der Bibliothek suchten. Schließlich landeten wir vier in einem kleinen Raum zusammen mit zwei Japanerinnen, die uns über unsere Eindrücke von Japan löcherten und uns ein Japanisch-Buch nach dem anderen vor die Nase legten…im Ernst: es ging nur darum, dass die beiden uns und unsere Sprachkenntnisse etwas kennenlernen und uns einen kleinen Einblick in den Japanisch-Unterricht an der Keio Universität geben. Der Unterricht von Annika und Shu im nächsten Wintersemester wird recht intensiv und umfassend sein: tägliches Aufsätze Verfassen, Sprech-, Kanji- und Grammatikübungen. Ich bin gespannt, wie das dann bei Erik, Caro unde mir ablaufen wird. Immerhin habe ich mir sagen lassen, dass der Sprachenunterricht an der Sophia Universität weniger auf Auswendiglernen basiert und mehr wert auf Kreativität setzen wird. 

Nach einem kurzen Gespräch mit Herrn Oberländer, welcher in Begleitung unserer Tutorin Anne dann auch irgendwann in die Sitzung hereinschneite, flitzten wir dann in Form einer geschlossenen, für Japaner vermutlich furchteinflößend großen Gruppe von Ausländern los in Richtung Kakurazaka – einem zur Zeit sehr bekannten Viertel. Wir erfuhren von unserem Professor, dass das Viertel seine momentan Beliebtheit einer TV-Serie zu verdanken hat, welche auch in diesem Viertel spielt und es recht attraktiv für das Abendliche Vergnügen erscheinen lässt. Man findet dort eine große Anzahl Restaurants und Bars aller Art. Dort läuft man auch durchaus Geishas über den Weg. Alles in allem versucht man in dem Viertel ein gemütliches Ambiente zu schaffen. Herr Oberländer hatte uns Hallenser in Tōkyō und all unsere Japanischen Betreuerlis zum Essen in ein italienisches Restaurant in diesem Viertel eingeladen. Mir fielen Glatt die Augen aus dem Kopf als uns die Auswahl des mehrere-Gänge-Menüs vorgestellt wurde. Der Besitzer jenes und einiger weiterer Restaurants, ein guter Bekannter von Herrn Oberländer, ist wirklich Italiener und pendelt monatlich zwischen Japan und Italien hin und her. Es gab selbst gebackenes europäisches Brot, Lasagne, Pizza, Spaghetti, Penne, verschiedene Salate, alles original italienisch und noch viel leckerer als ich das Essen beim Italiener in Deutschland in Erinnerung hatte! Oo Der Höhepunkt war dann wohl der Cappuccino – endlich wieder richtiger Cappu! *-* Er hatte ganz viel Schaum obendrauf, welcher mich in Herzform angrinste (Bild oben rechts)– und ich grinste zurück, zum Vergnügen aller um mich drum herum. Aber bei dem Anblick konnte ich einfach nicht anders! >_<>

Anschließend löste sich unser Grüppchen auf. Während Shu und Annika sich auf dem Heimweg mit kleinem Zwischenstopp am Yasukuni-Schrein machten, schnappten wir uns ein paar Leutchen und nutzten die Gelegenheit den nahegelegenen Campus der Sophia Universität aufzusuchen. Ein lustiger Fußmarsch entlang des Burggrabens des Kaiserpalastes und durch die Häuserschluchten. Wir brauchten uns auch keine Sorgen zu machen, wir könnten uns verlaufen…hatten ja Keishiro, Shunsuke und Toru dabei – drei Japaner, und Japaner haben einen fast eingebauten Navi – in ihrem Handy…da Japaner sich auch nie von ihrem Handy trennen, geschweige denn es einfach nur in ihre Tasche stecken, können sie sich in Tōkyō auch nicht verlaufen – klar, dass hier in Tōkyō keine Straßennamen notwendig sind und auch niemals notwendig sein werden. Der Campus war in der Hinsicht aufschlussreich, dass wir noch einmal bestätigt bekamen, dass es sich um eine christliche Universität handelt. Der Hauptcampus erscheint recht groß, die vielen großen Gebäude sind mit einfachen Buchstaben, nicht mit komischen griechischen Buchstaben beschrieben(welche man sich schon als Deutscher schwer merken und aussprechen kann – wie soll das denn dann in Japanisch gehen?! oO). Die Universität ist eindeutig internationaler ausgerichtet, immerhin liefen uns dort viele Ausländer über den Weg.  Ich hab leider keine Bilder machen können, da Shu mir ihre Kamera weggenommen hat -.-'' Viel gab es für uns auch nicht sehen, also ging‘s nach Hause…

~Batsu Geemu Runde 2~

Mittwoch, der 25. Februar Part I

Batsu Geemu* Runde 2

Nami glättet/föhnt sich früh morgens die Haare, mit dem Föhn, der aufgrund der hier in Japan niedrigen Spannung - laut Shu - nur noch dazu in der Lage ist einen anzuhusten.

X
Oo‘‘ – Batsu Nr. 1

 Ich habe fast eine Stunde gebraucht und meine Haare waren gerademal halb trocken…aber sie saßen


Ich wusste, Ich hatte irgendetwas vergessen…

XX
Oo‘‘ – Batsu Nr. 2

Nami tritt vor die Tür…wie war das nochmal mit dem Wetter? „Niesel-piesel, IGITT!“ >.<…ich beneide Asiaten um ihre wetterbeständigen, glatten Haare!!! Und ich hab meinen Schirm vergessen! Aber: ein Wink des Schicksals hängt an einem Schild direkt vor dem Wohnheim – ein absolut modischer, durchsichtiger Regenschirm – der Renner! O.O Wer lässt denn bei so einem Wetter seinen Schirm draußen an der Hinweistafel vom Shimoda-Wohnheim hängen?! 


Ich nahm den Schirm mit – man sollte sein Schicksal nicht leugnen, wenn es einem gut gesinnt ist. Kann ihn ja später wieder zurückhängen…

XXx
Oo‘‘ – Batsu Nr. 2,5

Batsu 2,5: Nami steht auf dem Bahnhof, da kommt ein Bahnangestellter mit einem Wagen voller mega-hipper, durchsichtiger Schirme angetappst. Hab mir von Sayaka sagen lassen, dass das auch sogenannte wasuremono (vergessene Dinge) sind. Ó.ò Arme Dinger! 


Ich beschloss meinen zugelaufenen, mega-hippen, durchsichtigen Schirm auf ewig in Ehren zu halten. U.u

XXX
Oo‘‘ – Batsu Nr. 3

Nami lässt sich in der Bahn Richtung Hiyoshi von den Fahrtbewegungen einlullen, wippt hin und her und haut sich beinahe den Kopf an einer der Metallstangen neben ihr ein. Ein Hoch auf Erik, der mich im rechten Moment weggestupst hat – Danke nochmal!^^‘‘


*Batsu-geemu = X-Game; Das Batsu(X) wird in Japan als Symbol für einen Fehler oder für etwas negatives, einen Misserfolg/-geschick oder ähnliches verwendet

~Ein Ausflug in die Vergangenheit in einem Land, das in der Zukunft lebt~

Mittwoch, der 25. Februar Part 2

Weil das ja irgendwie immer dazu gehört, fang ich mit einem Gruppenbild an - wie wir wissen, steht das Gruppenbewusstsein hier in Japan an oberster Stelle, vor allem, wenn man sich als Ausstauschstudent unter diese Meute absolut liebenswürdiger, netter, hilfsbereiter, ..., Japanerlis mischen will.

Heute befassten wir uns mit dem, was auch im Alltag eines jeden Japaners eine wichtige Rolle zu spielen scheint: Mit der Japanischen Geschichte – um genauer zu sein mit der Zeit ausgehend von der Tokugawa-Periode, die Zeit in der Edo, das heutige Tōkyō, bereits Hauptstadt des Japanischen Kaiserreiches war, bis heute:

Wir pilgerten zum Edo-Tokyo-Museum. Zitat Annika: „Nur Japaner kommen auf die Idee Häuser IN Häusern zu bauen“, denn mitten im Museum, welches zudem auch noch mehrstöckig ist, wurden ganze Residenzen der Daimyo (Bezeichnung der damaligen Landesherren) originalgetreu nachgebaut. Am interessantesten fand ich persönlich den Ausstellungsteil bezüglich des vom Westen noch unbeeinflussten Edo. Wir erhielten einen Einblick in das alltägliche Leben von damals, das Aussehen der Region, die heute Tōkyō genannt wird, sowie in die traditionelle japanische Kultur, wie Kleidung und Kunst, schauten uns eine Nachbildung eines Kabuki-Theaters (Bild rechts) an und vieles mehr. (Bild links unten: Nachbildung des Hafen an der Ryugoku-Brücke zu damaligen Zeiten) Der zweite Teil des Museums befasste sich hauptsächlich mit Tōkyō vor und während des zweiten Weltkrieges. Hier war deutlich ersichtlich wie schnell man in Japan die Einflüsse der westlichen Länder erfuhr, sich die gewonnenen Kenntnisse zueigen machte und schon bald eigene konkurrenzfähige, vor allem technische Geräte herstellte. Natürlich wurde in dem Museum auch viel Aufmerksamkeit dem zweiten Weltkrieg gewidmet. Inwieweit und auf welche Art und Weise man sich hier mit der Vergangenheitsbewältigung auseinandersetzt, darüber kann ich leider nicht urteilen, da weder meine Japanisch-Kenntnisse dafür ausreichen noch hätte ich genug Zeit gehabt jede einzelne englischsprachige Informationstafel zu lesen. Die Zeit hatte zu unserem Bedauern geradeso zur wortwörtlichen Besichtigung der ausgestellten Gegenstände gereicht. Es wird sich auf jeden Fall lohnen später selbst noch einmal dieses Museum zu besuchen um sich dann mit dem Ganzen etwas ausführlicher zu beschäftigen. Zumal der Eintritt verhältnismäßig preisgünstig ist und man zusätzlich Studentenrabatt erhalten kann. Mit den 480 Yen hätte man im Restaurant im Obergeschoss etwa die Hälfte, bzw. ein Drittel seiner Mittagsmahlzeit einnehmen können – es sei denn man macht es so wie Nami. Man bestelle sich eines der billigsten Menüs für 850 Yen und profitiere dann davon, dass drei der Leute am Tisch ihr 1000 Yen- Gericht nicht schaffen aufzuessen. So hat sie schließlich für zwei bis drei Leute gegessen und immer noch weniger bezahlt als alle anderen. xP Danach ist Nami dann glücklich durchs Museum gerollt – aber sie ist ja sowieso ein bisschen seltsam, immerhin schreibt sie von sich selbst mal wieder in der dritten Person...

Wenn es eines gibt, was ich nach diesem Monat vermissen werde, dann wird es definitif die Japanische Küche sein! ^^

So ging der Tag schnell seinem Ende entgegen und da wir unseren Ausflug diesmal pünktlich beenden konnten – schade eigentlich, hätte mich gerne noch länger amüsiert – blieb uns noch einige Zeit unsere Dummheiten des Tages fortzusetzen. Hier ein Schnelldurchlauf:

- Einen Gegenstand entführen, der lässig irgendwo herumhängt – kann man das eigentlich auch mit Japanern machen? Die sind so putzig xD 

- Mithilfe der Museumsausstattung Leute bespannen (Bild links)

- Sich abends eine Extradosis Schokolade verpassen: Wir schnappten uns das Puddingpulver, das jemand, der ausgezogen war, für die anderen in die Küche gelegt hatte und entführten uns die zweite Geisel für heute – der Topf aus der benachbarten Küche. Danach fielen wir über den Inhalt der Geisel her und fühlten wir uns dabei wie im siebten Himmel – wir kleinen Junkies!

- Krönender Abschluss: sich ein Batsu-geemu angucken. (Vier japanische Comedians machen zusammen einen Ausflug, ihre Bauchmuskeln werden auf eine harte Probe gestellt, aber sie dürften nicht lachen, sonst kommen ominöse Gestalten um die Ecke und versohlen ihnen den Hintern – kranker aber irgendwie effektvoller Humor) Ja, diese Batsu-geemu gibt es nicht nur in meinem Blog! ^^

~Ein Tag zum Stubenhocken~

Dienstag, der 24. Februar

Heute ist das Wetter immernoch genauso diesig wir am vorangegangenen Tag. Außer einem kurzen Trip quer durch Hiyoshi, um aus dem weit abseits gelegenen OK-Supermarkt und den verschieden Kombinis seinen Einkauf zusammenzusammeln, blieb uns nix anderes übrig als den restlichen Tag essend und J-Dorama guckend in der Küche zu verbringen.

Unser Erik widmete sich dem Postkartenschreiben:

(einmal draufklicken, dann vergrößert sich das Bild)

Als sich der regnerische Tag langsam seinem Ende neigte, versammelten sich immer mehr Regenschirme im Hausflur, damit wir wenigstens auf dem Weg zu unseren Zimmern beim im Slalom Hin- und Herlaufen ein wenig Bewegung bekamen, um uns nicht in herumkullernde Couch potatoes zu verwandeln.

Egal ob draußen veregnet oder sonnig, der Flur behält stehts seinen filmreifen Charme~ 

Nami erklärt Japan ~ Teil 2

~Nomimono – Was trinken Japaner?~

Ein sehr interessantes Kapitel in der Japanischen Lebenskultur. Ich habe ja schon einmal erwähnt, dass sich von der Anzahl her im Prinzip nur 20 Japaner einen Getränkeautomaten teilen müssten. Die heißen und kalten Getränke werden idiotensicher mit roten und blauen Farben markiert und sind in Büchsen, Flaschen oder büchsenähnlichen Flaschen abgefüllt.

Shu vor einem Getränkeautomaten in Shibuya. "Was nehmen wir denn da? - Was ist das eigentlich alles...?"

Japaner sind für ihre Teekultur ja allseits bekannt. Dementsprechend gibt es an den Automaten auch viele verschiedene Teesorten zu kaufen. Nahezu überall begegnet einem o-cha (grüner Tee). In jedem Restaurant kann man neben Leitungswasser auch kostenlos soviel grünen Tee trinken, wie man will. Des weiteren findet man hier eine Menge Kaffee sowie schwarzen Tee. Dann wären da noch diese nicht identifizierbaren Teesorten, mit Holzgeschmack (stand zwar nicht so drauf, aber das hat wirklich so geschmeckt; wenn nun grüner Tee nach Wiese schmeckt, dann gibt es wohl auch die Geschmacksrichtungen Stein, Laub und Moos) oO‘‘ – nein, im Ernst, der grüne Tee ist wirklich 1A! Gesund, löscht den Durst, entzieht dem Körper kein Wasser wie das süße westliche Gedöns und soll sogar Gehirnzellen anregen.

Hier sieht man einen Ausschnitt des Getränkesortiments eines Kombinis - da waren noch drei weitere solcher Regale mit aus meiner Sicht ähnlicher Auswahl

Im mittleren Drittel sieht man verschiedene Teesorten, ringsherum sind da noch ein paar Säfte und Kaffee, den Rest hab ich bis jetzt noch nicht identifizieren können.

Ist man auf bekannte europäische Sachen aus, findet man oft auch Cola oder ähnliches. Aufgepasst, was Aisutii (Eistee) betrifft! Auch wenn in Japan im Prinzip alles fast aus purem Zucker zu bestehen scheint, dieser Aisutii ist NICHT süß! Auch kohlensäurehaltige Getränke sind hier recht rar und vermeindliches Mineralwasser in den meisten Fällen still. Milch gibt es hier übrigens auch - frisch von Hokkaido, der nördlichsten Insel Japans - Ähnliche Verpackung in 1-Literpacks verschiedener Fettgehalte, nur der Nachgeschmack ist ein bisschen anders, aber man gewöhnt sich recht schnell daran.

Bis jetzt hatte ich kaum Gelegenheit, mich mit alkoholischen Getränken in Japan auseinanderzusetzen. Ich hoffe, dass ich dies demnächst bei einem Karaokeabend zusammen mit den Anderen nachholen kann.

Mir ist nur zu Ohren gekommen, dass der allbekannte Sake eher von Männern bevorzugt wird, während mir viele Japanerinnen erzählten, dass sie gerne Bier trinken - hier fühl ich mich wohl!^^ Obwohl ich beim Saketrinken den Männern bestimmt reichlich Konkurrenz bieten könnte. Wissenschaftler haben angeblich herausgefunden, dass den Japanern ein bestimmtes Hormon fehle, welches zum Abbau von Alkohol beiträgt. Ich denke aber, dass Japaner schon allein deshalb nicht so viel vertragen, weil einfach die nötige Menge an Körpersubstanz fehlt. Es gibt ältere Reiseberichte von Europäern, worin Japaner als elfenhafte Gestalten beschrieben werden: alles ist kleiner, niedlicher und zierlicher. Ich muss zugeben, dass das wirklich der Wahrheit entspricht. Aber wer junge Japanerinnen schon einmal auf einmal JRock Konzert herumpoken und head bangen sehen hat (auch wenn der sogenannte Para para-Tanz bei ihnen wirklich putzig und filigran aussieht), der wird von der Beschreibung als "elfenhafte Wesen" wohl eher absehen - dieses Thema könnte einen gesamten einzelnen Post füllen, daher komme ich jetz zurück zum eigenltichen Thema. Japaner haben schon von Natur aus keinen Körperbau, der für große Trinkfestigkeit spricht. Kürzlich stellten wir fest, dass selbst größere Japaner immernoch dieselben Körperumfänge zu besitzen scheinen wie ihre kleineren Kumpanen. Ein Europäer mit Normalgewicht kann sich nur fett vorkommen, wenn er sich zum Bleistift in eine überfüllte U-Bahn quetscht. Vieleicht wird das Gefühl fetter zu sein und mehr Platz zu beanspruchen auch nur dadurch suggeriert, dass die Japaner zu ihm etwas mehr Abstand halten um seine giftigen Dämpfe nicht einzuatmen. OK, das war bissig...aber was sollte man denn denken, wenn der Platz neben einem oft zuletz besetz wird (mit Ausnahme jüngerer Japaner, Betrunkener und wissbegieriger, älterer Leutchen) und sich einige Leute bei der bestmöglichen Gelegenheit von einem wegsetzen. Vieleicht bilde ich mir das Ganze auch nur ein...eigentlich muss man sich, wie Shu sagt, nur der Masse etwas anpassen, ich habs mal ausprobiert. Ob jener Plan funktioniert hat, habe ich leider nicht mitgekriegt....

Da ich inzwischen zum zweiten Mal vom Thema abgekommen bin (wie kam ich eigentlich vom japanischen Alkohol zum Ausländersein in der U-Bahn?), wird wohl nix weltbewegendes mehr zum Thema japanischer Getränke zu sagen sein. Daher werd ich es jetzt den beiden obrigen Gestalten gleichtun und mein Köpfchen auf die kommenden Tage vorbereiten.^^

Roppongi ~ Bilder angucken und Fernsehen an einem gemütlichen regnerischen Tag~

Montag, der 23. Februar

*brrrrrrrrrrrz** brizzel**zzzzzzt* 

Das Wetter. Heute in Tōkyō besonders regnerisch, so wird es voraussichtlich die nächsten Tage auch bleiben. Die Sonne wird sich wohl erst einmal eine Weile nicht blicken lassen. Also achten Sie bitte darauf ihren Kombini-Regenschirm immer dabei zum haben und ihn notfalls auch beim Betreten eines Geschäftes mithilfe der dafür vorgesehenen Mechanismen einzutüten.
Das war das Wetter. Es folgen die Sportnachrichten. Ich übergebe an meinen Ko…*brrrrrrrrrz*

Eine kleine Einstimmung, was uns heute erwartete: Regen und nasse Bürgersteige. Unser Ausflug führte uns in den Tōkyōter Stadtteil Roppongi, markant für sein Nachtleben und für seine äußert abwechslungsreiche Bebauung mit Gebäuden immenser Höhenunterschiede. 

Es sollte aber keine abendliche Kneipentour werden, sondern eher eine ganz lockere Erkundungstour des Viertels, natürlich zu Fuß. Wir ließen uns vom Wetter keinen Strich durch die Rechnung machen und tapsten mit unseren zum Teil durchsichtigen Regenschirmen (in Japan momentan der absolute Renner) los. Diesmal waren wir zu neunt: Nach und nach dazu stoßende Japanerchen und die deutsche Truppe der Japanologen inklusive Verstärkung: Caroline ist nun auch im Lande. Sie wurde von ihrer Gastmutter zum Bahnhof gebracht, welche zu unser aller Entzücken Shunsuke (bis dahin noch der einzige japanische „Betreuer“) darin einweihte, worauf denn alles zu achten sei, damit ihr Schützling heile wieder bei ihr ankommt, hörte gar nicht mehr auf zu reden und gab ihm alle möglichen Kontaktdaten etc. pp.. Immerhin ist Caro ja ein kleiner Gaikokujin (Ausländer) mit elementaren Japanisch-Kenntnissen, „allein“ im großen, weiten Tōkyō. Die fürsorgliche Dame stand, kaum dass sie sich verabschiedet hatte und weggegangen war, plötzlich wieder neben uns, um nochmal einen letzten kleinen Hinweis zu geben und noch ein weiteres Mal uns allen freundlich zum Abschied zu winken.

Gleich nach der Ankunft an der Roppongi-Station, nach zweimaligem Umsteigen mit der Bahn, nahmen wir den Fernsehsender TV Asahi mit.

Unsere Gruppe: Doraemon, das Maskottchen von TV Asahi, hat sich mal rotzfrech in den Hintergrund geschummelt.

Uns erwartete diesmal keine große Ausstellung und auch kein Eintrittspreis, sondern „nur“ eine Menge Plakate uns bekannter J-Dramas und wieder einmal einer Menge bekannter Schauspieler. Ich habe mittlerweile den Eindruck, dass das Schauspieleraufgebot Japans wirklich begrenzt zu sein scheint. Viele Werbeplakate mit bekannten Gesichtern, neu ausgestrahlte Doramas mit neuen Schauspielerkombinationen und abends braucht man nur den großen Fernseher in der Gemeinschaftsküche einzuschalten - man findet sicherlich schnell die eine oder andere geistfreie Unterhaltungsshow mit Gastauftritten bekannter Schauspieler. (wir empfangen nur analoges Fernsehen, darin sind wenig Sender enthalten, welche ab und zu mal neben sinnfreier Werbung und den TV-Shows auch Spielfilme ausstrahlen). 

Nach einem für Japan untypischen Lunch mit einer Auswahl verschiedener europäischer Gerichte, pilgerten wir zu einem Gebäude einer sehr besonderen Art von Architektur. Dem „International Art Center Tōkyō“ (Bild links). Ein wirklich riesiges Gebäude, dessen Hälfte des Innenraumes sowohl in Höhe und Breite die Vorhalle in Anspruch zu nehmen scheint. (Bild rechts) Uns erwartete eine Ausstellung der Künstlers Kayama Matazo, welcher vor 5 Jahren im Alter von 77 Jahren verstarb. Er versuchte nach anfänglicher Orientierung an der europäischen Kunst Japanische traditionelle Elemente in seinen Zeichenstil mit einfließen zu lassen und schuf damit eindrucksvolle, stimmungsreiche Werke auf mitunter sehr großen Leinwänden sowie später auch auf traditionellen japanischen Wandschirmen. Seine Motive fand er in der Natur, zeichnete hauptsächlich Landschaften, Tiere und Pflanzen. Ich persönlich war von seinen Werken in vielerlei Hinsicht beeindruckt. Es war nicht die Ästhetik der Darstellungen, welche einem bereits von der anderen Seite beim Betreten Raumes ins Auge stach. Die Motive der Bilder waren, was ihr realistisches Aussehen betraf absolut ausgereift. Kayama bediente sich zum Beispiel verschiedener Techniken zur Zeichnung von Oberflächenstrukturen, sodass selbst die Stichführung bei der Zeichnung verschiedener Tiere etwas über ihre vermeintlichen Charakteristiken verriet. Z.B. Die Zeichnung eines Elefanten mit der Struktur, bestehend aus dünnen ineinander verworrenen Strichen, welche an die faltige Hautstruktur erinnerte, wobei der Elefant gleichzeitig eine Art Sanftmut erhielt - schon allein diese Eigenheit ist zu schwer zu beschreiben, denn man muss das einfach selbst einmal gesehen haben. Und trotz der äußerst realistischen Wiedergabe der Motive wirkt die gestellte Szenerie irgendwie abstrakt, wie eine Momentaufnahme bei absoluter stille. Ich stand vor einem Wandschirm mit dem Titel „Gefrorenes Mondlicht“. Neben Feuer, Kirsch-, Pflaumenbäumen und Krähen schien der Mond wohl Kayamas Lieblingsmotiv gewesen zu sein. Auf diesem finsteren Bild war er jedoch nicht zu sehen, nur ein leichter heller Schleier, eine Berglandschaft im Hintergrund und ein paar gefrorene vom Mondlicht angestrahlte Äste. Um es mal so auszudrücken - Bei diesem Bild hab ich unter meinen Füßen formlich den Boden angefroren von Eis knirschen hören…oO. 

Soviel zu meinem kleinen Abstecher in die Kunst eines Japaners. Kommen wir jetzt zu etwas seichterer Unterhaltung. Drei Fernsehsender hatten wir ja schon, aber das sind noch nicht mal so viele, wie wir hier analog im Wohnheim empfangen können. Daher machten wir noch einmal einen kurzen Abstecher in das Gebäude des TBS (links: Das Maskottchen von TBS, ich hab den Namen vergessen und nenne es jetz einfach mal nur "Schwein") und anschließend stürmten wir eine Einkaufsgalerie, wo ich mich zum ersten Mal seit Beginn meines Japanaufenthaltes meinen Entzugserscheinungen aufgrund des Mangels an Schokolade annähernd entledigen konnte. Immerhin ist Schokolade hier rar und teuer (keine 100g sondern 40g Packungen manchmal sogar zum doppelten Preis, kein Schoko-Cappuccino geschweige denn irgendeine Art von Kakao), hier jedoch gab es eine kleine aber rekordverdächtig kakaohaltige Portion Schokoeis! Teuer hin oder her, da gibt man für einen kleinen Becher ungestreckten, reinen Stoff gerne mal 340 Yen aus. 

Danach machte sich der kleine Schoko-Junkie, der mittlerweile schon wie ein Japaner in der dritten Person von sich schreibt, weil er den ganzen Tag so viel Japanisch spricht, mit den anderen auf den Heimweg, frisch inspiriert und damit bestens vorbereitet auf den nächsten Tag, der ein Dienstag ist, und damit wieder ein freier Tag. Yatta!
 

~Enoshima - kleine Insel, großer Trubel!~

Sonntag, der 22. Februar

Für heute hat sich unser kleiner Toru etwas besonderes lassen. Diesmal war nämlich etwas an der Reihe, woran wir vorher noch gar noch gedacht hatten, und was auch nicht auf unserem Aktionsplan stand, welchen wir den Japanern vor unserem Aufenthalt hatten zukommen lassen.

Es ging nach Enoshima – um genau zu sein auf Enoshima.. Wie der Name schon sagt (Shima = Insel) handelt es sich um eine Insel (Bild oben: Enoshima im Hintergrund, davor der Überweg auf die Insel)…eine recht kleine Insel um genau zu sein. Unsere Truppe war umso größer. Mir ist zu Ohren gekommen, dass diese Insel auch einbeliebtes Ausflugsziel für Japaner ist. (Memo an mein Forschungsprojekt) Da heute Sonntag ist, war demnach auch ein reichliches Aufgebot an inländischen Touristen vorzufinden, vor allem Familien u.a. mit absolut niedlichen kleinen Kindern. Und mittendrin - eine buntgemischte Gruppe deutscher Japanologen und japanischer Germanisten...

Der Ort liegt am Meer und ist daher sehr von Fischerei geprägt. Überall werden leckere Fischdelikatessen angeboten…zu diesen fischverrückten Einheimischen zählen nicht nur die Japaner. Bis jetzt habe ich noch keine Küste erlebt, an der ich keine einzige Möwe entdeckt habe…aber hier in Japan scheint wirklich alles irgendwie anders zu sein. Ich zitiere ein Warnschild:

„とびはご注意下さい!“

Man könnte das abenteuerlich mit „Nehmen sie sich vor Tobi in Acht!“ übersetzen, aber nein…das ist kein Name! Tobi ist keine japanische Spezialität und auch keine Art von Stolpersteinen. Hier die eigentliche Übersetzung: „Vorsicht vor den Falken!“ oO Ja, da guckt man nicht schlecht, wenn der Himmel über einem mit Greifvögeln übersät ist. An Strand und Ufer wimmelte es außerdem von schwarzen Lebewesen...der Anblick erinnerte mich an die Robbenbänke in Dänemark. Jene Lebewesen waren aber nicht so aktiv wie diese hier. Beim genaueren Hinsehen erkannte man, dass diese herumhampelnden Wesen Surfer waren...oo 

Ein kurzer Blick aufs Meer und danach einer direkt hinein - Wir stürmten ein Aquarium. Der Eintritt kostete pro Person stolze 2000 Yen (ca. 17 €). Leider hat es bei uns dann doch nicht für ein Gruppenticket gereicht, 20 Leute waren wir nun auch wieder nicht >.>‘‘. Eine wirklich interessante Ausstellung, mit metergroßen Riesenseespinnen und riesigen Fischschwärmen. (Bild links: Gennai hat Spaß!^^)

Für alle Einzelheiten hat die Zeit leider nicht gereicht, denn wir waren erstens noch im Vorort und nicht auf der Insel, zweitens hatten wir, wie es Japaner ausdrücken, „leere Bäuche“. Also suchten wir wieder ein bezahlbares Restaurant, wo es außer Fisch noch andere Dinge zu Essen gab. Ich probierte mich diesmal an einem beliebten aber einfachen und günstigeren Gericht: Curry-Reis. Zum Umfallen lecker aber irgendwie doch zu wenig, die Portion…aber nach einer Cola aus einem Getränkeautomaten und einem japanischen kurepu (Crepe) mit Extraportion Endorphinen (Banane-Schoko) war wieder alles in Butter. Wie man sieht passe ich mich hervorragend meiner Umgebung hier an. Alles ist erst einmal unwichtig, außer Essen!

Also…was macht man eigentlich auf Enoshima? Neben den Fischgerichten haben wir einige weitere Schreine besichtigt. Als wir uns für eine Postkarte durch ein zugerammschtes Souvenirlädchen kämpften, stießen wir auf einen älteren Herrn, der uns von einer Legende um Enoshima erzählte – Das klingt wie aus einem Pokémon Spiel – um genauer zu sagen, er versuchte uns davon zu erzählen. Als er das Wort „densetsu“ in den Mund nahm, verstanden wir endlich, was der Gute von uns wollte, nachdem er uns fragte, ob wir das „??? Von Enoshima“ kennen:

Da wäre so ein ??? im Meer vor Enoshima ??? was dann eines Tages ??? und deshalb ?????

Nami: „Eto, ???? …?“ (ich redete ein Wort nach, was wohl die vermeintliche Bezeichnung dieses Dingens da im Mehr gewesen war. Es klang wie Ningyou, für mich hieß das bis dahin noch „Maskottchen“ oo).

Meine Vermutung war aber: entweder Drache oder Meerjungfrau, da Japaner ja durchaus auch ihre eigenen Legenden von Meerjungfrauen haben, z.B. soll man unendlich lange leben, wenn man das Fleisch von Meerjungfrauen isst. In jedem Fall verriet uns das nette Onkelchen, dass das Dach des Enoshima Bahnhofs mit seiner Form an jene Legende erinnern soll. Nachträgliche Recherchen haben nun ergeben: ningyo mit kurzem „o“ heißt Meerjungfrau.Japaner sind also nicht nur gut darin Intentionen anderer von deren Gesichtern abzulesen, sie strahlen auch mit ihrer ganzen Art aus, was sie gerade beabsichtigen dem anderen mitzuteilen. Jene wissbegierige und mitteilungsfreudige Menschen sind mir auf dieser Reise die liebsten. Immerhin stand von dieser Sage in keinem unserer Prospekte etwas geschrieben und unsere Japanerlis konnten auch nix dazu sagen.^^

Nach dem Besuch eines Tempels (oder war es doch ein Schrein? = Shintoistisches Gebäude, Tempel = Buddhistischer Ort; ich werde darauf nachträglich noch einmal zurückkommen) auf einem Berg, der einen endlosen Treppenaufstieg erforderte (Bild links), lief uns auf dem Rückweg eine weitere Person dieser Art über den Weg. Ein älterer Herr um die 50 Jahre machte auf dem Fahrrad neben uns halt und begann unvermittelt English zu sprechen. Er fragte, ob er von jemandem von uns nicht die Adresse bekäme um mit uns Briefe zu schreiben…Jumpei (ein Japaner, das erklärt seinen sechsten Sinn und sein Feingefühl) merkte, dass das uns suspekt vorkam und wimmelte den guten mit der Begründung ab, Deutsche würden kein Englisch sprechen. 

Ein recht abenteuerlicher Tag mit extrem viel Japanischer Konversation. Gegen Japanisch-Flashs scheinen wir inzwischen desensibilisiert, auch wenn es früh nach dem Aufstehen immer noch recht seltsam ist in das Japanische Geplapper einzusteigen.